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Heizen mit Pferdemist -  gut fürs Klima und den Geldbeutel:  8 Fragen zum Heizen mit Pferdeäppeln


Worum geht es?

 Huhu, wir hoffen, euch hat die heutige Überschrift neugierig gemacht. Denn genauso neugierig sind wir in unsere Recherchen gestartet.
Wer von euch kennt ihn nicht? Den vor Wärme dampfenden Misthaufen. Bei kaltem Wetter wird es sichtbar.  Wusstet ihr, dass in so einem Misthaufen bis zu 70 Grad gemessen werden? Da müsste es doch einen Weg geben, diese Wärme sinnvoll zu nutzen und nicht wertlos „verdampfen“ zu lassen, denkt sich die ein- oder der andere von euch vielleicht.
So dachten auch verschiedene PferdehofbetreiberInnen und entwickelten mit
entsprechenden Firmen eine Technik, um die Nutzung eben dieser Wärme möglich zu machen. Diese wollen wir euch heute vorstellen:

Mit Pferdemist heizen – wie funktioniert das   ?

Möglich wird das durch einen sogenannten „Biomeiler“, der zu eben diesem Zweck
entwickelt wurde. Vorstellen kann man sich diesen wie einen speziell aufgebauten
Komposthaufen. Dieser entzieht dem organischen Material zum einen die Wärme und produziert gleichzeitig hochwertigen Humus. Dieser dient dann wieder als hochwertiger Dünger. Da wären wir wieder bei der klassischen Win-Win Situation.

Und das CO2?

Das böse CO2, von dem mittlerweile bekannt sein sollte, dass es schädlich fürs Klima ist und das keiner haben will – ja, das entsteht auch. Und zwar bei dem Zersetzungsprozess, der eben für die Wärmebildung verantwortlich ist. Aber jetzt kommt die gute Nachricht: Das CO2 entsteht sowieso, ob mit, oder ohne Biomeiler. Und da man durch den Biomeiler die sonst verlorengegangene Wärme sinnvoll nutzt, und Heizöl, Gas oder ggf. andere Rohstoffe einsparen kann, spart es zusätzliches CO2. – 1:0 für den Biomeiler.

Aber wie funktioniert es denn jetzt GENAU?

Die alltäglich anfallende Mistmenge der Pferde wird gehäckselt, was das Volumen reduziert und den Zersetzungsprozess vereinfacht. Anschließend wird dieser auf eine große Mistplatte  aufgebracht. Abermillionen von Bakterien und Mikroorganismen machen sich über das Stroh- und Pferdeäpfel-Gemisch her und erzeugen im Zuge der natürlichen Kompostierung Temperaturen bis zu 70 Grad im Mist. Diese Kompostierung läuft absolut natürlich ab und kommt ohne Zusatz von chemischen Zusatzstoffen aus. Ein Wärmetauscher sorgt schließlich dafür, dass die Energie von einem Material auf das andere übertragen wird. Mist und Wärmetauscher werden gewissermaßen aufeinandergeschichtet. Und die Wärme aus dem Mist auf das Wasser übertragen. Dieses wird dann durch ein im Mist eingebautes Rohrsystem geleitet. Das warme Wasser von circa 60 Grad wird schließlich einem Brauchwasserspeicher zugeführt.

Gibt es ein Beispiel?

Ja, sogar einige. Wir wollen euch hier als Beispiel Johann Stöckel vorstellen. Er ist Inhaber des Weberhofs im schönen Brixental in Tirol (www.weberhof-brixental.at). Seit längerer Zeit arbeitet er mit genau so einem Biomeiler.
Die täglich anfallende Mistmenge seiner acht Pferde bringt er täglich auf eine 6x6 m große Mistplatte auf. Das anschließend auf 60 Grad erwärmte Wasser wird einem
Brauchwasserspeicher mit einem Fassungsvermögen von 1000 Litern zugeführt.

Und der Zeitaufwand?

 Der hierfür notwendig zeitliche/personelle Mehraufwand beträgt laut Stöckel täglich in etwa 15 Minuten.

Lohnt sich das?

 Der Stromverbrauch für die Homogenisierung des Pferdemistes beläuft sich auf ca. 0,40 € Cent/Tag, was in der Tat sehr überschaubar ist. Auf der anderen Seite kann der Biomeiler an einem Tag ca. 120 kWh Wärme erzeugen. Das bedeutet, dass mit einem Hof von 8 Pferden monatlich Wärmekosten in Höhe von rund 250€ eingespart werden können, wie man an dem Beispiel vom Weberhof erkennen kann.  Die Anlage ist ganzjährig in Betrieb, nur bei extremen Wetterbedingungen wird die Heizung zusätzlich angestellt. Eine Wartung der Anlage ist so gut wie nicht nötig. Zudem amortisiert sich diese Art von Anlage bereits nach 2-3 Jahren.
Stöckel berichtet, dass er damit rund 2000 Euro an Gaskosten pro Jahr einspart. Die
komplette Reitanlage inklusive Wohnhaus wird mittlerweile über den Biomeiler mit
Warmwasser versorgt. Bereits erwähnt: Auch der qualitative, durch den Vorgang besonders hochwertige, Dünger ist von nutzen. Wir erinnern uns: Win-Win Situation und so.

Und was meint ihr?

 Bei so „großen“ Vorhaben denkt man schnell: Ach, ich hab doch nur so ein paar Pferde. Das ist was für große Reitanlagen oder Landwirte. Für mich lohnt das sicher nicht. Aber ihr habt am Beispiel vom Weberhof gesehen, welchen lohnenswerten Effekt man bereits mit Pferdemist von nur 8 Pferden haben kann. Zudem lassen sich die Biomeiler größentechnisch anpassen.


Ein weiteres Beispiel für die Umsetzung einer solchen Heizungsanlage mit Pferdemist hat der Zuchthof Hollen in Oyten bei Bremen umgesetzt.

Emily Thümmel und Geschäftsführer Günther Friemel vom Zuchthof Hollen


Gemeinsam mit der Firma Native Power planten sie ein Heizsystem passend zugeschnitten auf ihren Hof. Wir haben uns für euch auf den Weg nach Oyten gemacht, um uns diese Anlage einmal etwas genauer amschauen. Danke an dieser Stelle an den Geschäftsführer Herrn Günther Friemel vom Zuchthof Hollen, der uns diese Einblicke gewährt hat und sich die Zeit genommen hat uns alles vor Ort genau zu erklären.  Ein Hof der an die Zukunft denkt mit tollen Konzepten. Wir waren beindruckt! Was uns genau vor Ort erklärt und gezeigt wurde, findet ihr im folgenden Informationsvideo der Firma Native Power.

Video: Native Power

Unser Dank gilt auch der Firma Native Power, die uns das informative Video zur Verfügung gestellt hat.

Weitere Infos über die genaue Funktionalität dieses Heizsystems findet ihr im PDF Dokument weiter unten. Falls ihr selbst Interesse an einer Umsetzung habt findet ihr hier die richtigen Ansprechpartner. www.native-power.de



Quellen: (Vgl.):

https://www.propferd.at/main.asp?VID=1&kat1=87&kat2=644&NID=7077
Michael Sudahl, Cavallo, Heizen mit Mist (S. 78-80)
Mit Pferdemist heizen - Pferd & Reiter | Bauernblatt Schleswig-Holstein
      www.native-power.de